Ev. luth. St. Gallus-Kirche zu Neugalmsbüll / Nordfriesland, Glocken und Bilder

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Uploaded by on Jul 3, 2011

Das ursprüngliche Galmsbüll war eine Hallig -- also eine kleine im Wattenmeer gelegene, nicht eingedeichte Insel, die bei Sturmfluten überspült wird -- mit Ausnahme der Warften, aufgeschüttete kleine Hügel, auf denen die Gebäude stehen. Das alte Galmsbüll versank zwar nicht im Meer, wurde aber ständig überspült und die Bewohner wanderten auf das Festland ab, die alte Kirche verfiel und wurde 1800 abgerissen, die Menschen besuchten die Gottesdienste in den umliegenden Kirchen.
Erst 1891 wurde die heutige Kirche im neugegründeten Neugalmsbüll fertig gestellt, weiter entfernt vom Außendeich, ihr Turm ist weithin sichtbar. Diese Kirche ist ein für die Landschaft Nordfriesland völlig ungewöhnlicher, neugotischer Backsteinbau. Betritt man die Kirche, staunt man über die Pracht der byzantinischen Putz- und Malerarbeiten: die gesamte Kirche ist mit einem teppichhaften ornamentalen Sgrafitto-Putz versehen. In den Putz gekratzte Ornamente werden dabei farbig ausgemalt. Der Putz ist komplett erhalten und die Kirche stellt in ganz Nordeuropa eine Einmaligkeit dar.
Auch sonst sind seit dem Bau nur unwesentliche Veränderungen vorgenommen worden -- lediglich der Kirchturm musste aufgrund von Witterungs- und Feuchtigkeitsschäden an drei Seiten neu verblendet werden.
Das Inventar der Kirche stammt z.T, noch aus der alten Galmsbüller Halligkirche, wie das Abendmahlsbesteck und die Kronleuchter. Die Granittaufe hingegen kommt aus der bei einer mittelalterlichen Sturmflut untergegangenen Kirche zu Rickelsbüll.
Die ersten Glocken der Kirche wurden im 2. Weltkrieg abgegeben. Das heutige Geläut in den Tönen fis' und a' goss Rincker / Sinn im Jahre 1957, Sehr interessant ist auch die alte mechanische Turmuhr. Alle 5 Tage muss jemand hinaufsteigen, um sie aufzuziehen. Dies tut meist der Kirchenvorsteher Herr Rolf Wiegand, der Jochen Seeger und mir seine Kirche zeigte und erklärte. Es gibt wohl keinen Quadratzentimeter, den er nicht „persönlich" kennt! Herzlichen Dank, Herr Wiegand, für diesen wahrlich interessanten Nachmittag und für das Sondergeläut am 22. Juni 2011!
Bilder: Januar 2011 (außen) und 22. Juni 2011, Canon Powershot G11, Audio: Zoom H2

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