Uploaded by h2onewsde on Dec 2, 2009
Die kürzliche Kontroverse über Kruzifixe in italienischen Schulen hat die Frage aufgeworfen: An welchem Punkt treffen sich Staat und Kirche? Nach Meinung des Professors für kanonisches Recht, Pater Valdrini von der päpstlichen Lateranuniversität in Rom, scheint Frankreich eine gewisse Ausgewogenheit in der Debatte im Rahmen des Säkularismus gefunden zu haben. Dieser selbst ist eine sehr französische Idee, eine Idee, die geschichtlich aus Philosophie, Politik und der Aufklärung stammt und auf der Trennung von Kirche und Staat besteht. „Der französische Säkularismus wird vor allem durch die Neutralität des Staates definiert. Geschichtlich gesehen ist es eine ziemlich neue Idee, dass der Staat von religiösen Elementen absolut frei sein soll. Es gibt keine Staatsreligion in Frankreich, aus diesem Grund erlaubt das Land auch religiösen Pluralismus. Auf der anderen Seite ist die Religion in Frankreich ganz frei, mit Ausnahme des öffentlichen Lebens. Während einer Rede in der Lateranbasilika im Dezember 2007 erklärte der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Bedeutung des Säkularismus und bezeichnete ihn als „positiv. Diese Änderung der Bezeichnung spiegelt die wahre Natur des französischen Säkularismus besser wider. „Der nicht-positive Säkularismus, eine leere Form von Säkularismus, erlaubt der Kirche, im Land zu existieren, aber sie darf sich nur im privaten Sektor bewegen und nur dort lehren. Dem muss man erwidern, dass die Kirche zu den sozialen Debatten etwas beizutragen hat, was Perspektive bietet, wie zum Beispiel in Fragen der Ethik, der Moral und all den Dingen, die wir am meisten wünschen. Für P. Valdrini kann der Säkularismus, wie er in Frankreich gelebt wird, kein Modell für andere europäische Länder sein. Er kann dennoch die Beziehungen von Kirche und Staat positiv anregen und die manchmal komplexen Verhältnisse friedlich zu lösen versuchen. „In Europa haben die meisten Länder eine völlig von der Kirche getrennte Gesetzgebung. Säkularismus wird als die Neutralität des Staates gelebt. Doch wird er auf sehr verschiedene Weise gelebt, was die Tradition, Geschichte und die eigene Identität des Volkes betrifft, wie man zum Beispiel in Italien bei der Kruzifixdebatte gesehen hat. Ich würde sagen, dies ist eine Art Aufstand, ein Aufbegehren, eine Antwort, dass man nicht damit einverstanden ist, Kreuze aus Schulen und aus den Gerichtshöfen zu entfernen. Während sich dieses Problem in Frankreich überhaupt nicht stellt. Dies ist ein gutes Beispiel, wie jedes Land seine eigene Identität hat, die auch der Säkularismus respektieren muss.
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