Interview mit dem türkischen Schriftsteller Nedim Gürsel Türkisches Leben - mal nicht in Berlin oder Köln, sondern in Paris. Nicht nur Arbeiter zieht es in die Weltstadt, sondern auch türki...
Interview mit dem türkischen Schriftsteller Nedim Gürsel Türkisches Leben - mal nicht in Berlin oder Köln, sondern in Paris. Nicht nur Arbeiter zieht es in die Weltstadt, sondern auch türkische Intellektuelle. Nedim Gürsel, einer der bekanntesten türkischen Schriftsteller, ist einer von ihnen. Nach dem Militärputsch 1980 ist er aus der Türkei hierher geflohen. Inzwischen besitzt er die französische Staatsangehörigkeit, ist Direktor des Forschungszentrums CNRS und hält Vorträge über Europa. Wegen seines neuesten Romans "Allahs Töchter" ist Gürsel in der Türkei derzeit wegen Gotteslästerung angeklagt. Das kann ein bis zwei Jahre Gefängnis bedeuten. Am ersten Prozesstag hat der Staatsanwalt zwar Freispruch für Gürsel gefordert - aber sicher ist nichts. Am 26. Mai wird der Prozess fortgesetzt.
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Zur arabischen Liga gibt es deswegen keinen Bedarf, weil wir als Türkei einfach viel weiter in unserer staatlichen Entwicklung sind, als beispielsweise ein Saudi-Arabien. Dass es zu einer Union womöglich mit industriell ebenso fortgeschritteneren Staaten der Region kommen wird, wie etwa dem Iran, Pakistan, UAE oder Azerbaycan, wie auch kleineren aufbaufähigen Staaten, das ist nur absehbar, wenn es zu keinem Beitritt in die EU kommt. So einfach ist das im Grunde.
Die Türkei holt wirschaftlich gesehen vllt. auf. Aber was ist mit der Infrastruktur im ländlichen Bereich? Da wird nicht investiert, sondern auf EU-Fördergelder gehofft!
Was ist mit der Frage, warum die Türkei sich nicht mit der Arabischen Liga begnügt?
In die Infrastruktur des Ostens (Zentral- und Ostanatolien) wird sehrwohl investiert. Gerade die Autobahn an der Schwarzmeer-Küste, oder der Ausbau von doppelspurigen Autobahnen landesweit nicht auf Kosten von irgendwelchen Fördergeldern von EU, sonder mittels Betreibermodell und auf Kosten von privaten Investoren. Nicht zu vergessen das Mega-Projekt des GAP, das bei Fertigstellung vor allem dem Osten des Landes zugute kommen wird.
Nein, tu ich nicht. Leider bietet diese Plattform nur begrenzte Möglichkeit, einen vernünftigen Diskurs auf höherem Niveau zu führen. Die Antworten fallen genauso kurz wie die dazu gestellten Fragen, obwohl das nicht so sein sollte. Dazu das Problem der Unordnung hier. Ich habe nicht alle Antworten per "Antworten"-Taste geregelt, also sind auch viele dieser Antworten einfach oben im Kommentarbereich gelandet. Ich hoffe mittels Datum-Anzeigen findest du die Antwort auch zu dieser Frage.
Jahrhunderte lang lebten Christen, Juden und Muslime; Armenier, Araber, Kurden, Lazen, Tscherkessen, sowie Türken miteinander in Frieden auf diesem Stückchen Erde. Allen nicht-muslimischen Religionen war ihre Autonomie zugesichert, es gab sogar Autonomie für Kurden unter einem föderativen Dach des Hauses der Osmanen.
Alle Probleme, die wir heute haben, verschulden wir Verwestlichungsbestrebungen und in dieser Konsequenz die Bekanntschaft mit dem westlichen Nationalismus.
Btw: Die Hagia Sophia musste in eine Moschee umgewandelt werden, damit der neuen Bevölkerung mit anderem Glauben eine entsprechend große Gebetsstätte zur Verfügung stand.
In der Türkei existieren heute noch unzählige, historische Kirchen, wenn auch nicht alle gebraucht werden, auch werden viele heute restauriert und neu eröffnet, auch wenn wenige bis keine Anwohner christlichen Glaubens sind.
Wie sieht es mit den Moscheen-Stopp-Kampagnen und Islamophobie in Europa aus?
Soviel anders ist das ja anscheinend nicht. Genauso antworten auch die Deutschen, auf die Frage, wie es denn mit Deutschland weitergehen soll. Nur sind die Deutschen quasi geburtsabhängig pessimistischer eingestellt. :D
Die christliche Religion ist neben der jüdischen anerkannt seit 1453? Genau. Eroberung Konstaninopels! Christen wurde ihr Leben erlassen, Plünderung des Gutes verboten, die Kirchen (war und ist ja nicht nur eine) anerkannt, die Praktizierung des Glaubens zugestattet.
Würde man Brüssel fragen, wäre die Türkei schon längst Mitglied der EU und die EU würde reichlich davon profitieren. Schließlich sind wir kein "kaputt regiertes" Ex-Sowjet-Land wie die von dir erwähnten Osteuropäer. Wir werden also womöglich genauso viel in die "Kasse" einzahlen können, wie wir auch aus ihr beziehen werden. Genauso tun es Deutschland u. Frankreich ja auch.
Wirtschaftlich ein Plus-Minus-Spiel vielleicht. Geostrategisch und -politisch eine große Chance für die EU.
Wir haben reichlich Potenzial auch eine asiatische, nahöstliche Union zu initiieren und diese auch prosperieren zu lassen, sollte die EU noch weiter rumeiern. Von einer Angewiesenheit auf Arabische Liga etc. kann nicht die Rede sein.
Die Türkei hat wegen Zollunion und anderen für die Mitgliedschaft gedachten Übergangsbeschlüssen eher verloren als gewonnen. Jährlich haben wir dadurch konkret finanziellen Schaden. Von den abgezwungenen politischen Entscheidungen ganz zu schweigen!
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Aber was ist mit der Infrastruktur im ländlichen Bereich? Da wird nicht investiert, sondern auf EU-Fördergelder gehofft!
Was ist mit der Frage, warum die Türkei sich nicht mit der Arabischen Liga begnügt?
Du weichst meiner Frage aus.
Dazu das Problem der Unordnung hier. Ich habe nicht alle Antworten per "Antworten"-Taste geregelt, also sind auch viele dieser Antworten einfach oben im Kommentarbereich gelandet. Ich hoffe mittels Datum-Anzeigen findest du die Antwort auch zu dieser Frage.
Alle Probleme, die wir heute haben, verschulden wir Verwestlichungsbestrebungen und in dieser Konsequenz die Bekanntschaft mit dem westlichen Nationalismus.
In der Türkei existieren heute noch unzählige, historische Kirchen, wenn auch nicht alle gebraucht werden, auch werden viele heute restauriert und neu eröffnet, auch wenn wenige bis keine Anwohner christlichen Glaubens sind.
Wie sieht es mit den Moscheen-Stopp-Kampagnen und Islamophobie in Europa aus?
Die christliche Religion ist neben der jüdischen anerkannt seit 1453? Genau. Eroberung Konstaninopels! Christen wurde ihr Leben erlassen, Plünderung des Gutes verboten, die Kirchen (war und ist ja nicht nur eine) anerkannt, die Praktizierung des Glaubens zugestattet.
Wirtschaftlich ein Plus-Minus-Spiel vielleicht. Geostrategisch und -politisch eine große Chance für die EU.
Die Türkei hat wegen Zollunion und anderen für die Mitgliedschaft gedachten Übergangsbeschlüssen eher verloren als gewonnen. Jährlich haben wir dadurch konkret finanziellen Schaden. Von den abgezwungenen politischen Entscheidungen ganz zu schweigen!