"Die ganze Welt ist eine Bühne" von Shakespeare selbst stammt dieser Satz, der als Überschrift für sein Gesamtwerk gelten könnte. Und als Überschrift für unsere Zeit. Genau darum, um die Bühnenhaftigkeit der Liebe und des Seins, geht es in Jan Bosses Erfolgsinszenierung der Shakespeare-Komödie "Viel Lärm um Nichts". MIt einem glänzend aufgelegten Star-Ensemble unternimmt er auf der großen Bühne des Wiener Burgtheaters hellwach und heiter den Versuch, uns irgendwie und weil es anders ja auch nicht geht mit dieser Welt des schönen Scheins zu versöhnen.
Zwei Paare, die verschiedener nicht sein könnten, werden einander gegenüber gestellt: Auf der einen Seite Claudio und Hero, die lieber heute als morgen heiraten wollen, obwohl sie sich kaum kennen und durch die Intrigen des bösartigen Don John daran gehindert werden. Auf der anderen Seite das Paar Beatrice und Benedict, die geschworen haben, sich niemals und unter keinen Umständen mit dem anderen Geschlecht einzulassen, aber schließlich doch heiraten.
Für Regisseur Bosse spielt die Geschichte um die ersten überzeugten Singles der Theatergeschichte in der Welt einer Pseudo-Idylle. Die Kulisse der Traum-Hochzeit verbirgt nur mühsam die Leere des "Nichts". Eine künstliche Welt der Oberfläche, des Scheins und der Illusion, nur zur Triebabfuhr geschaffen für eine Gesellschaft, die am liebsten von sich selbst Urlaub machen würde. Liebe zuzulassen fällt hier schwerer, als man denkt oder einen das Theater glauben machen will. Doch darf sich der Zuschauer daran erfreuen, wie der größte Dramatiker der Weltliteratur Menschen skizziert, wahre Verbal-Eroten, deren Fetische der Witz und die eigene Schlagfertigkeit sind. Vor Selbstverliebtheit blasen sie ihr Ego so weit auf, dass das wahre Objekt der Leidenschaft fast aus ihrem Blickfeld gerät. Em Ende der Komödie siegt die Welt des verwirrenden Scheins, in der sich Humor, harmlose Torheit und Liebe nur als Strategien entpuppen, ohne die das Überleben in dieser Gesellschaft der verschlagenen Täuschung schlicht unmöglich wäre.
"MIt "Viel Lärm um Nichts" erreicht das Bossesche Lusttheater seinen vorläufigen Höhepunkt. So zeit- wie shakespearenah, so lustig und intelligent, so publikumsnah und lebendig war lange keine Klassikeraufführung mehr." (Frankfurter Rundschau)
"Ein Knallbonbon offeriert der lustigste unter den alternden Jungregisseuren in der Adventszeit, als wolle er lachend unterstreichen, wie heutzutage die Besinnlichkeit flöten geht - um das Publikum dann, mitten im Gelächter, urplötzlich dennoch zur Besinnung zu zwingen." (Neue Zürcher Zeitung)
"Jan Bosse lässt ins und im Parkett spielen, lässt die verleumdete Hero bei ihrem Ohnmachtsanfall von der Bühne purzeln und die wilde Beatrice zielstrebig öffentlichkeitswirksam in den Gängen zwischen den Zuschauerreihen schreien. Dass das nicht peinlich wird, verhindern schon die brillanten Schauspieler. Es ist ein Heidenspaß, entfesseltes Theater."
(Süddeutsche Zeitung)
Huh? Man kann es auch übertreiben mit 'modern'. Da bleib ich lieber bei Kenneth Branagh... oO
Athlonization 7 months ago
hîhî_pâsst_hîer_ñet_rëin_ábá_ïch_bín_sõ_êìnsâm_wïll_jëmând_mit_mìa_schreibèñ
CutiayDenisean514 11 months ago
*hust* Wo ist da noch der Shakespeare?
LilliVanessi 1 year ago
Wir haben das Stück im Schultheater gespielt und uns dabei stark an dieser Interpreation orientiert. Ich fand vor allem Martin Reinke als Leonato sehr gut und hab zur besseren Ausgestaltung der Rolle einige Tipps von ihm erhalten. Das war wirklich eine tolle Theaterzeit.
Spaninator 2 years ago