Bislang war der Bürgerprotest gegen "Stuttgart 21" friedlich - jetzt ist die Lage eskaliert: Bei der Räumung des Baugeländes hat die Polizei Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, viele Demonstranten wurden verletzt. Beobachter machen Regierungschef Mappus für den Gewaltausbruch verantwortlich.
Es regnet Tränengas. Kinder, Schüler, alte Frauen und Männer fallen übereinander, werden hochgehoben und dorthin geschleppt, wo der scharfe Strahl der Wasserwerfer nicht mehr hinreicht. Manche Gesichter sind blutüberströmt, die Augen brennen höllisch, der Atem wird knapp. Szenen wie in Wackersdorf, sagen ältere Semester, die über einschlägige Demo-Erfahrungen verfügen. Aber es ist nicht Wackersdorf, es ist der Stuttgarter Schlossgarten, die gute Stube der Schwaben, in der sie sonntags mit ihren Kindern spielen.
Es geht um "Stuttgart 21". Die Polizei hatte am Donnerstagmorgen begonnen, das im Rahmen der Bauarbeiten für die Grundwasser-Aufbereitungsanlage vorgesehene Gelände zu räumen. Bei dem Einsatz gegen die Gegner des umstrittenen Projekts wurden nach Angaben eines Rettungsassistenten fast 400 Menschen leicht verletzt. 320 von ihnen seien mit Augenverletzungen durch Pfeffersprays in einem provisorisch eingerichteten Camp für die Erstversorgung behandelt worden. Die ersten 50 Opfer, so hieß es, seien Schüler gewesen, die an einer angemeldeten Demonstration teilnahmen.
Am Abend begannen Polizisten damit, Aktivisten von den Bäumen zu holen. Spezialkräfte setzten einen Kran mit Hebebühne ein. Außerdem versuchten Beamte vier Aktivisten, die sich um einen Baum herum angekettet hatten, loszueisen. Noch immer protestierten Tausende gegen die Räumung von Teilen des Parks für die Baumfällarbeiten. Bis zum Samstag sollen im Schlossgarten 25 Bäume für das umstrittene Projekt gefällt werden.
Peter Conradi, der Alt-Sozi und einer der Wortführer der "Stuttgart 21"-Gegner, ist fassungslos. "Die Polizei fährt hier ein, als müsste sie den Castor schützen", sagt er. In der Tat: Es sind Hundertschaften, die aus der ganzen Republik zusammengezogen wurden. In voller Kampfmontur und mit Reizgassprays bewaffnet, die sie gezielt auf die Demonstranten richten. Den Rest erledigen drei Wasserwerfer. Stündlich kommen mehr Protestler. Es ist, als müssten die Menschen mit Gewalt aus ihrem Park vertrieben werden, den sie mit den Mitteln verteidigen, die sie haben. Sie kauern vor den Wasserwerfern, skandieren, solange sie noch können, ihr "Wir sind friedlich, ihr nicht", um dann zur Seite wegzuwanken.
Eine völlig durchnässte alte Frau hat sich in die hinteren Reihen retten können, mit dem Rest ihres Schirms, dem Griff und einem gekrümmten Stab. Alles andere hat der Wasserwerfer weggefegt. Die 71-jährige Rentnerin demonstriert zum ersten Mal in ihrem Leben und ist, gelinde formuliert, fassungslos und verzweifelt. Sie schreit Werner Wölfle, den Chef der Stuttgarter Grünen, an, er solle sich vor die Wasserwerfer legen, er sei doch ein Politiker. Aber Wölfle ist schon durchnässt und die falsche Adresse. So ruhig er noch kann, versucht er der Frau zu erklären, dass er derjenige sei, der an vorderster Front gegen "Stuttgart 21" kämpfe. Dass es Ministerpräsident Stefan Mappus sei, der "Rambo", der seine Maske haben fallen lassen. Der Regierungschef sei für diese Eskalation verantwortlich, die es so in Stuttgart noch nie gegeben habe. Aber für die Rentnerin sind diese Unterschiede nicht mehr wichtig, für sie gehören alle Politiker zum "Lügenpack".
@LiberaloElli
ja genau fdp wählen weil die nur scheisse bauen darum ja auch mit 5% abgestraft.. bissl viel getrunken oder was? deine linksradikalen sind schüler und renter mütter und bürger. aber so menschen verachtend und rassistisch zu gleich kann auch nur wer denken der fpd wählt. "Die FDP gerät nach der umstrittenen Million-Spende eines Hotel-Unternehmers zunehmend in Erklärungsnot. Nun zeige sich, warum Union und FDP Hoteliers Steuergeschenke geben."
Izanagy 1 year ago 8
Ja wer schützt die Spekulanten
Ja wer schützt den Atommüll
ja wer schützt die Kinder in Afghanistan vor Raketen
Ja wer schütz die FDP vor der 5% Hürde
Ja wer schützt uns vor verlogenen Politikern
Bettelstein 1 year ago 4