Der letzte Prüfstein für die Weisheit ist der Umgang mit der eigenen Sterblichkeit. Von all den Widersprüchen, mit denen wir in unserem Leben fertig werden müssen, ist das der größte. Doch auch sonst erfahren wir immer wieder, dass nichts so bleibt, wie es war und nichts so ist, wie es scheint. Beziehungen, die einmal stabil waren, lösen sich auf. Deswegen ist es für uns alle wichtig, etwas Weisheit zu lernen: als Fähigkeit, mit leidvollen Veränderungen umzugehen. "Der weise Mensch hat ein ganzes Curriculum an Enttäuschungen durchlaufen, denn nur der maximal enttäuschte Mensch weiß, was bleibt und wie der Mechanismus funktioniert, aus dem heraus Menschen sich Illusionen machen", sagt Sloterdijk: "Von daher gehört Weisheit mit den langen Wegen der Erfahrung zusammen. Der weise Mensch ist der, der sich selbst von hinten gesehen hat. Etwas, was wir üblicherweise nicht können."
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