Biber Paradies, Beaver paradies

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Uploaded by on Nov 23, 2010

Ist der Biber ein Segen oder eine Belastung?
Die Filmreihe „ Bezaubernde Tierwelt" zeigt einheimische Tierarten der nördlichen Oberpfalz.
Der Biber hat sich in den letzten Jahrzehnten hier, ebenfalls wie in vielen anderen Gebieten Bayerns, wieder sesshaft gemacht. Nicht nur mir als Tier-Beobachter stellt sich die Frage, ist der Biber ein Segen oder eine Belastung? Ich möchte an dieser Stelle eindeutig meine eigene Einschätzung vertreten. Als Hobby- und Natur-Filmer ist mir eines sehr bewusst geworden: "Der Biber besitzt Eigenschaften, ähnlich der des Menschen, er ist ein Pionier, jedoch hat er Fähigkeiten die unerreichbar für den Menschen sind!"
Er ist in der Lage, das Landschafts-Bild komplett zu verändern. Da die Tiere sich gerne schwimmend fortbewegen, benötigen sie, bei Neuerschließung eines Lebensraumes, eine gewisse Wassermenge. Folglich müssen Dämme gebaut werden, welche mit Geschick und unermüdlicher Ausdauer des Bibers entstehen. Zu diesem Zweck werden geeignete, strategisch günstige Stellen ausgesucht. Bäume werden gefällt, Äste und Steinen herangeschleppt, um diese Baumaterialien schließlich zusammenzuzimmern und abschließend diese mit Erde undurchlässig zu verdichten.
Der intelligente Baumeister benötigt weder Reißbrett, noch Motorsäge. Bau-Kran, Mörtelmischer, Schaufel oder Kelle sind ihm fremd. Als Handlanger lässt er Wind- und Wasserkraft für sich arbeiten. Die benötigten Bäume werden mit scharfen Zähnen gezielt bearbeitet, dass sie der nächste Windstoß in die gewünschte Richtung fallen lässt.
Mit dem ansteigenden Pegel entstehen regelrecht Feuchtgebiete, in denen sich die, jetzt von Wasser umgebenen Baumstämme spiegeln. Entstanden ist ein völlig neuer Lebensraum, er entspricht den ursprünglichen Gegebenheiten, bevor der Mensch in die Natur eingegriffen hat. Seltene Arten kehren zurück, um sich in einer völlig veränderten, vielfältigen Vegetation wieder anzusiedeln.
Sollte ein Gebiet „Rückgebaut" werden, dann gibt es keinen der das besser könnte als der Biber. Genau hier taucht eine weitere Frage auf: "Ist der Biber das Problem oder der Mensch?" Ein Großteil der fließenden Gewässer, Bachläufe und Flüsse wurden von Menschenhand begradigt. Der Gewinn neuer Nutzflächen und deren besserer Ertrag, mögen gewichtige Gründe gewesen sein. Moore und Auen wichen zu Gunsten von Autobahnen und Eisenbahn-Gleisen. Nicht nur, dass bezaubernde Landschaften in langweilige Monokulturen verkamen, auch brachen ganze Systeme wertvoller Tier- und Pflanzenarten in sich zusammen.
Dazu kamen, wie in meiner Heimat, Ende der sechziger Jahre, groß angelegte Flurbereinigungen, die unter anderem der raschen Entwässerung von Feldern und Feuchtwiesen dienen sollten.
Diese Stau- und Speicher-Räume vermissen wir jetzt womöglich. „Flussabwärts" saufen dortige Bewohner in jüngster Vergangenheit in den gewaltig und rasant anschwellenden Wassermassen regelrecht ab. Andererseits zwingen hierzulande wegen immer weiter sinkender Grundwasser-Spiegel zu Tiefenbohrungen, um die Trinkwasser-Versorgung zu bewerkstelligen.
Gedanken über derartige Entwicklungen und deren Auswirkungen sollte man sich jedenfalls gönnen. Nun zurück zu unserem großartigen Pionier, dem Biber. Der Vegetarier passt sich problemlos seiner Umgebung an, kann diese jedoch auch nach seinen Bedürfnissen umgestalten. Dieses hat er vorbildlich im hier vorgestellten Film getan. Einem ehemaligen Steinbruch verlieh er zu einem wahren Kanada-Feeling, zudem entstand ein Paradies für Pflanzen und seltene Tier-Arten.
Der Biber ist ein gutmütiges Ur-Tier voller Kraft, Ausdauer, Hartnäckigkeit gepaart mit Intelligenz und Geselligkeit. Er reißt keine Schafe und tötet keine Rinder, sondern besitzt die Fähigkeit, dort wo es passt, „Mensch und Natur im Einklang" wieder zusammen zu bringen.
Bäume fällt der Biber nicht so zum Spaß. Ein einziger, der zahlreichen Holz- Vollernter, die in unseren Wäldern unterwegs sind, legt an einem Tag mehr Bäume um, als tausend Biber zusammen. Ich möchte Holznutzung in den heimischen Wäldern nicht mit den Regenwald-Rodungen in Dritt-Ländern vergleichen. Auch hier wider ein Fragezeichen: "Wer ist hier eigentlich das Problem?"
Einzel- und Ausnahme-Fälle sind durchaus zu respektieren. Es gibt sicher Teichwirte, die der beharrliche Biber nicht zur Ruhe kommen lässt. Undichte und untergrabene Dämme richten ziemliche Schäden an, doch unser Freund kann leider nicht unterscheiden, ob ein Gewässer gewerblich genutzt wird oder nicht. Mitunter klagen Forstwirte über ähnliche Folgeschäden. Wenn der Pionier Mensch auf den Pionier Biber trifft, bleiben Konflikte nicht aus, verträglichen Lösungen sollten jedoch machbar sein. Der Biber ist ein großartiger Architekt der Natur, darum kann der Mensch auf lange Sicht von ihm nur lernen. Dienen wir der Natur, anstatt uns nur zu bedienen.

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Uploader Comments (sommerleoss)

  • Respekt für diese Aufnahmen. Die Biber fühlten sich überhaupt nicht gestört, wie nah warst Du dran (und wieviele Stunden hast Du im Bibergebiet mit der Kamera gewartet)? Unglaublich gute Aufnahmen. Danke auch für Deinen Text zum Video. Mehr davon bitte!

  • @einufo

    Danke Dir für Deine Einschätzung!

    Wir sind schon manchmal auf Kuschel-Nähe, dann heißt es still und ruhig bleiben, so sind die Tiere recht kooperativ ;-)

    Die Zeit in der Natur? Stunden, Tage, Jahre, ich bereue keine Sekunde davon!

    Machs Gut!

  • Der teilt seinem Kleinen ja ein Stück ab ♥

  • @vegoh

    sehr gut beobachtet :) aber leider nur das abgeknabberte Stück :O)))))))))

  • Ich mag Biber ♥

  • @vegoh

    Biber sind Künstler der Landschafts-Architektur, unnachahmlich und genial <3

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All Comments (13)

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  • @uwe2602

    ja das sind echte Geschenke der Natur !

  • @uwe2602

    Danke ! :)

  • Herrlich!

  • Hallo Herrmann,

    schade das mein Rechner und meine DSL Verbindung nicht genug Leistung hat die Filme in HD zu genießen, herrlich trotzdem,einmalig so etwas ,wie die Bibermutter mit ihrem Nachwuchs, Glückwunsch das findet man nicht mal so eben, Ellie

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