Als Indogermanen werden die nachfolgenden Sprecher sowie die ursprünglichen Träger der teilweise rekonstruierten proto-indogermanischen Ursprache und Kultur bezeichnet.
Die Forschung hat viele prähistorische Kulturen mit dem indogermanischen Urvolk in Verbindung bringen wollen und nach der Urheimat der Indogermanen gesucht. Heute überwiegt vielfach die Sichtweise, dass in der Kurgankultur, die sich im 5./4. Jahrtausend v.u.Z. in der heutigen Ukraine entwickelte, der Ursprung der Proto-Indogermanen zu suchen sei. Als nahezu sicher gilt, dass sie in einem Klimabereich lebten, in dem auch Schnee vorkam.
Die Indogermanen gelten als Stammeltern nahezu aller europäischer Ethnien. Darunter fallen die Hellenen, Kelten, Balten, Romanen, Germanen und Slawen. Auch nicht in Europa lebende Ethnien gehen teilweise auf diese zurück, zu nennen sind hier insbesondere die iranischen Völker (Skythen, Baktrer, Sogder, Perser), die sich über weite Teile Asiens ausbreiteten, sowie aus historischer Sicht die Tocharer im heutigen Westen Chinas. Darüber hinaus die um 1500 v.u.Z. nach Nordindien eingewanderten Indoarier, aus denen die Inder indoarischer Abstammung hervorgingen.
Dabei besteht ein fließender Übergang zwischen Vermischungen im Sinne der Gene und gewaltsamen Unterwerfungen sowie der allmählichen Assimilation der ehemaligen Vorbevölkerungen Europas und Asiens.
Ein biologischer Aspekt wird in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur seit 1945 oft abgelehnt. Im drastischen Gegensatz zu dieser stehen nach wie vor die internationalen Überlegungen und Ansätze. Die Frage, inwiefern und in welchem Maße eine genetische und ethnische Verwandtschaft untereinander wie mit den heutigen Sprechern indogermanischer Sprachen postuliert werden kann, wird von der Ethnologie anhand vieler Argumente und Tatsachen heftig diskutiert.
An einer kulturellen und religiösen Beeinflussung weiter Teile Eurasiens durch die sich ausbreitenden Proto-Indogermanen bestehen hingegen keine Zweifel.
Die Indogermanen bildeten wahrscheinlich patrilineare Gemeinschaften, welche vorwiegend halbnomadisch lebten. Vermutlich hielten sie domestizierte Tiere wie Hausrinder und Schafe. Als weitgehend erhärtet gilt, dass die Indogermanen auch die Domestizierung des Pferdes (ek'wos) erstmals unternahmen und damit eine Hauptgrundlage ihrer Macht schufen.
Des Weiteren praktizierten die Indogermanen eine polytheistische Religion. In deren Mittelpunkt standen vermutlich Opfer-Riten, welche durch eine Priester-Kaste vollzogen wurde. Die Kurgan-Hypothese erwägt Bestattungen vorwiegend in Hügelgräbern, teilweise aber auch in Steingräbern. Einflussreiche Anführer wurden mit ihrem Eigentum, möglicherweise mit bestimmten Familienmitgliedern, wie ihren Frauen, beigesetzt.
Außerdem gibt es Hinweise auf sakrale Königtümer, in welchen der Stammesführer gleichzeitig die Rolle eines hohen Priesters einnahm. Viele spätere, indogermanische Ethnien kannten eine Art Dreiteilung ihrer Gemeinschaften, so gab es eine Priesterschaft, eine Kriegerklasse, sowie einfache Bauern/Handwerker.
Werkzeuge und Waffen wurden aus Bronze gefertigt, Silber und Gold waren bekannt. Schafe hielt man um Wolle zu gewinnen, welche der Fertigung von Bekleidungsstücken diente. Hergestellt wurden diese mittels Webtechniken. Das Rad wurde nachweislich bei einfachen Ochsenkarren eingesetzt. Spätere Generationen entwickelten diese zu Streitwagen weiter, welche schnell zum Grundstock militärischer Überlegenheit wurden. Die ihnen in der Schlacht Unterlegenen behandelten sie als Sklaven, die sie ähnlich dem Vieh als Eigentum betrachteten.
Sie verfassten bereits Lieder sowie Epen, welche wohl hauptsächlich von unsterblichem Ruhm handelten, wie etwa in den germanischen Heldengedichten späterer Zeit.
Die ursprüngliche Eigenbezeichnung der Indogermanen konnte bisher nicht rekonstruiert werden. Vermutet wird eine etymologische Verwandtschaft zu "aryo-", wie sie als Eigenbezeichnung des indo-iranischen Zweiges erwiesen ist. Ein solcher Rückschluss bleibt jedoch bislang unerwiesen.
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