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HerrNilson41
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Oct 6, 2008
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Oct 6, 2008
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Ist das Buch Weekendsex Trash oder Kultur?
Ich habe einige Kapitel im Buch, worin ich Chatroom-Headlines zitiere und die Kommunikation auf das reduziere, wie sich die Leute darstellen. Das ist alleinstehend genommen Trash und Schund. Vor dem Hintergrund dessen, dass es sich um Darstellungen von Profilinhabern handelt, ist das ein Abbild von der Darstellungs- oder Kommunikationskultur geworden. Ein solcher Satz entscheidet, ob man miteinander spricht. Man braucht schon eine Form von Privatmarketing, um Aufmerksamkeit zu erregen oder die Hoffnung zu wecken: hier wird ein Bedürfnis gestillt. Folglich ist es Schund, der zur Kultur wurde.
Die restlichen Kapitel sind Begebenheiten, wie sie sich im großen und ganzen tatsächlich abgespielt haben. Darin gebe ich wieder, welchen Mitteln sich die schwule aber auch die heterosexuelle Gemeinde bedient das ist Teil der Partykultur aber auch Teil der sexuellen Kultur aller sexuellen Orientierungen.
Wovon handelt das Buch?
Weekendsex behandelt die „Blaue Lüge unter anderem ausgehend von einem bekannten Chatroom. Es handelt davon, wie virtuelle Scheinrealitäten ins wirkliche Leben transportiert werden und dazu führen, dass Menschen sich nur noch verzerrt wahrnehmen und sich nicht mehr zuhören. Das führt zu bösen emotionalen Verletzungen, wenn man nicht mehr denselben Chatroom, sondern eine gemeinsame Wohnung teilt.
Ist das Buch die Antwort auf Feuchtgebiete?
Also da ich weder eine dauerhaft feuchte Muschi habe noch allmorgendlich ein wenig Sperma hinter meine Ohrläppchen schmiere, kann ich sagen nein. Es wäre zwar toll, wenn ich sagen könnte: Hey, ich beschreibe Sex so plastisch wie nie zuvor. Das würde sicherlich dazu führen, dass ich einer HIV-Stiftung sehr viel mehr Geld überweisen könnte. Doch wer Porno sucht, soll sich lieber einen Wurst-Film kaufen. All diejenigen, die sich amüsieren wollen über das, was ihnen mitunter tagtäglich passiert und vielleicht auch eine andere Sicht der Dinge erfahren wollen, sind herzlich eingeladen.
Was suchen Schwule?
Schwule suchen nichts anderes als Heteros auch. Ich habe im August geheiratet und plötzlich bekomme ich Mails von Unbekannten aus allen möglichen Ländern, die sich nichts sehnlicher wünschen, als genau das zu erfahren. Liebe und Anerkennung in Verbindung mit einem Leben zu Zweit. Und darum geht es eigentlich auch im Chat. Man hofft doch immer beim nächsten Chat und beim nächsten Fick die große Liebe zu treffen.
Und, kann man die Liebe im Chat treffen?
Also ich war zwei Mal im Leben richtig verliebt. Meinen ersten Partner habe ich noch vor der großen Internetwelle in einem Club kennengelernt. Meinen jetzigen Mann habe ich im Chatroom getroffen. Ich würde sagen, die Chancen stehen 50:50.
Geht es im Buch um Sex?
Weekendsex behandelt die Wege, die zum Sex führen und das Chaos, das nach dem Sex auf einen zukommt. Und all die Katastrophen die Sex so mit sich bringt. Ja, es geht auch um Sex in dem Buch, enthält aber keinerlei „Abspritzbeschreibungen.
Wie kommst du auf Dinge wie 18-jährige, die von einer Gruppe vergewaltigt werden wollen etc?
Davon ist nichts erfunden. Ich habe vieles eins zu eins aus Internetanzeigen oder Chatrooms entnommen. Diese Bedürfnisse gibt es wirklich und vor allem sehr oft. Auf der Suche nach Spaß, begegnet einem vieles, das unwirklich und kaputt erscheint. Aber das alles ist reichlich vorhanden.
Warum dreht sich alles ums schnöde Geficke?
Eine Frage die ich abschließend auch nicht beantworten kann. Es ist zunächst einfacher zu vögeln, als miteinander zu kommunizieren. Ist man geil, muß dieses Bedürfnis erst mal befriedigt werden. War es toll, gibt es die Chance auf ein Gespräch. War die Vögelei schlecht, springt man zum nächsten immer in der Hoffnung den Richtigen zu finden. Oftmals ist es aber auch die einzige Bespaßung die bleibt, gerade in Berlin. Es gibt genügend Menschen in Berlin, die keinen Job haben und so wenig Geld, dass sie sich das Ausgehen und den Besuch eines Clubs oder eines Kinos nicht leisten können. Eine ziemlich beschissene Erfahrung, gerade dann, wenn es zum Dauerzustand wird. Um nicht gänzlich durchs soziale Raster zu fallen, hält man wenigstens die Internetverbindung aufrecht. Und oftmals ist die einzige Bestätigung, die man in so einem Fall noch bekommen kann, die des Sex habens. Das kostet nichts und man verbringt ein paar Stunden oder auch mal ein gesamtes Wochenende mit jemandem anderen. Das ist auch Kommunikation und inzwischen Teil der unserer Gesellschaft.
Age
45
Country
Germany
Occupation
Autor