"Das Herz hält die Front. [...] Das Herz muss die Kanone bedienen."
Danke, Heinrich, danke, Romuald, für diese Supersteilvorlage direkt vors Tor. Selbst ein Blinder würde hier, glaube ich, verwandeln.
Schon mal einen Blick in Goldhagens Nachfolgebuch zu "Hitlers willige Vollstrecker" geworfen?
"Die Holocaust- und NS-Forschung hat bis in die jüngste Zeit praktisch nichts über die zentralen Akteure, die Täter der Massenmorde, beigesteuert: wer sie waren, wie sie zu Tätern wurden, wie sie ..."
Nun steht diese hübsche Übereinstimmung da wie eine semantische Klammer, in der der große Zampano und Geheimagent zwar rhetorisch Achterbahn fahren und die tollsten Luftsprünge machen kann, im Grunde genommen aber nichts sinnvolles zu sagen hat.
"Und ich möchte heute schon voraussagen, ich bin der ketzerischen Ansicht, dass wir, Gott sei dank, nach dem Krieg ein armes Volk sein werden. Ich finde das geradezu beglückend."
Exactly. Auf solchen Nonsens läuft es dann hinaus. Außerdem:
"Sehen Sie es als Ihre Aufgabe, Menschen zu gewinnen und Prediger zu sein. [...] In die ferne Zukunft sehen wir, weil wir sie wissen. Deswegen tun wir fanatischer denn je, gläubiger denn je, tapferer, gehorsamer und anständiger denn je unsere Pflicht."
Als wollte er mit Absicht die arbeitersozialistischen "Politoffiziere" so weit wie möglich von den nationalsozialistischen "Soldatenpredigern" fernhalten, setzte er die Verabscheuung an den Anfang und den Appell ans Ende seiner Geheimrede.
Was mir dabei besonders gefällt, ist der Bogen, den der Innenminister SS angesichts der Niederlage dabei schlägt. Von der Verabscheuung der "stursten Willensträgern der bolschewistischen Doktrin" – "er macht eben seinen ganzen Krieg mit seiner brutal durchgebildeten Führungsschicht von politischen Offizieren, von Offizier-Kommissaren, von Kommissar-Offizieren [...] es ist allmählich ein und dasselbe geworden" – bis zu seinem Wir-als-politische-Soldaten-Appell an die Heerführer des Ordens:
"Die Vermittlung der Sprache von vor 57 Jahren für ein Publikum heute."
Danke für diese "Rückführung an die wirkliche Sprache Himmlers." Die kategorisch durchgehaltene Nüchternheit der Inszenierung ist genial: Durch sie wirkt der Geist Himmlers noch gruseliger, weil er noch unvermittelter, noch tiefer einwirkt in dieser eher tranceartigen Konfrontation abseits der üblichen Propaganda-Techniken wie Film/Bild, Rhetorik, Gestik, Lautstärke, Kostümierung usw. – noch frappierender geht's kaum.
03.12.2010, FU-Berlin, Hörsaal des Inst. f. Theaterwissenschaft
»Rekonkretisierungen. Der Filmemacher Romuald Karmakar im Gespräch über DAS HIMMLER-PROJEKT und HAMBURGER LEKTIONEN«.
(Moderation: Dietmar Kammerer)
Abendveranstaltung im Rahmen des Symposium »AUTHENTIZITÄT/WIEDERHOLUNGEN« des Int. Graduiertenkollegs »Interart« der Freien Universität Berlin.
cinekarmakar 1 year ago
"Das Herz hält die Front. [...] Das Herz muss die Kanone bedienen."
Danke, Heinrich, danke, Romuald, für diese Supersteilvorlage direkt vors Tor. Selbst ein Blinder würde hier, glaube ich, verwandeln.
Schon mal einen Blick in Goldhagens Nachfolgebuch zu "Hitlers willige Vollstrecker" geworfen?
"Die Holocaust- und NS-Forschung hat bis in die jüngste Zeit praktisch nichts über die zentralen Akteure, die Täter der Massenmorde, beigesteuert: wer sie waren, wie sie zu Tätern wurden, wie sie ..."
ToscoWeber 1 year ago
Nun steht diese hübsche Übereinstimmung da wie eine semantische Klammer, in der der große Zampano und Geheimagent zwar rhetorisch Achterbahn fahren und die tollsten Luftsprünge machen kann, im Grunde genommen aber nichts sinnvolles zu sagen hat.
"Und ich möchte heute schon voraussagen, ich bin der ketzerischen Ansicht, dass wir, Gott sei dank, nach dem Krieg ein armes Volk sein werden. Ich finde das geradezu beglückend."
Exactly. Auf solchen Nonsens läuft es dann hinaus. Außerdem:
ToscoWeber 1 year ago
"Sehen Sie es als Ihre Aufgabe, Menschen zu gewinnen und Prediger zu sein. [...] In die ferne Zukunft sehen wir, weil wir sie wissen. Deswegen tun wir fanatischer denn je, gläubiger denn je, tapferer, gehorsamer und anständiger denn je unsere Pflicht."
Als wollte er mit Absicht die arbeitersozialistischen "Politoffiziere" so weit wie möglich von den nationalsozialistischen "Soldatenpredigern" fernhalten, setzte er die Verabscheuung an den Anfang und den Appell ans Ende seiner Geheimrede.
ToscoWeber 1 year ago
Was mir dabei besonders gefällt, ist der Bogen, den der Innenminister SS angesichts der Niederlage dabei schlägt. Von der Verabscheuung der "stursten Willensträgern der bolschewistischen Doktrin" – "er macht eben seinen ganzen Krieg mit seiner brutal durchgebildeten Führungsschicht von politischen Offizieren, von Offizier-Kommissaren, von Kommissar-Offizieren [...] es ist allmählich ein und dasselbe geworden" – bis zu seinem Wir-als-politische-Soldaten-Appell an die Heerführer des Ordens:
ToscoWeber 1 year ago
"Die Vermittlung der Sprache von vor 57 Jahren für ein Publikum heute."
Danke für diese "Rückführung an die wirkliche Sprache Himmlers." Die kategorisch durchgehaltene Nüchternheit der Inszenierung ist genial: Durch sie wirkt der Geist Himmlers noch gruseliger, weil er noch unvermittelter, noch tiefer einwirkt in dieser eher tranceartigen Konfrontation abseits der üblichen Propaganda-Techniken wie Film/Bild, Rhetorik, Gestik, Lautstärke, Kostümierung usw. – noch frappierender geht's kaum.
ToscoWeber 1 year ago